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Mittwoch, den 08. Juni 2011 um 14:49 Uhr

Vorstellungen beendet

Nach fast einem Jahr Vorstellungsbetrieb fanden die Aufführungen unserer Theaterinszenierung ein jähes Ende. Ein Serverabsturz bei Linden Lab hatte zu Folge, dass Teile der Showprogrammierung verloren gingen. Es hätte mehrere Wochen Arbeit gekostet, die Inszenierung wieder herzustellen. Da wir diesen Aufwand nicht bewältigen konnten, gaben wir uns mit der Erkenntnis zufrieden, dass Dinge auch im WWW vergänglich sind, die rein theoretisch kein Verfallsdatum haben. Außerdem konnten wir auf über 5.000 erfolgreiche Vorstellungen mit über 1.000 Besuchern zurückblicken, und auf ein erfreulich starkes und positives Medienecho. Darauf sind wir sehr stolz.

Auch wenn sich gezeigt hat, dass Second Life nicht die ideale Plattform für Avatar-Theater-Inszenierungen ist, so war sie doch zu dieser Zeit die bestverfügbare. Wir hoffen, dass sich in Zukunft die Möglichkeiten in dieser Technologie verbessern, um dann einen neuen Anlauf mit unserem Avatar-Theater zu wagen.

Allen Besuchern, Unterstützern, Helfern und Mitwirkenden danke ich ganz herzlich dafür, dass sie dabei waren.

Simeon Blaesi


Donnerstag, den 04. Juni 2009 um 20:49 Uhr

Ein wirkliches Erlebnis

Es war genau so aufregend, wie eine Premiere im physischen Theater. Vielleicht noch etwas aufregender. Die letzten Vorbereitungen liefen ähnlich ab wie man es von Premieren gewohnt ist. Nur dass die beiden Macher 800 km Luftlinie trennten, der eine saß am Bodensee, der andere in Barcelona. Trotzdem standen sie pünktlich um 19 Uhr für den Empfang der Gäste vor dem virtuellen Theaterstudio in Second Life. Es war überwältigend zu erleben, wie die Gäste eintrudelten, wie aus dem Nichts erschienen sie per Teleport. Die meisten waren sehr chic gekleidet, eine Dame in leuchtend grünem Abendkleid stach besonders hervor. Es gab ein Gläschen Sekt zum Empfang. Der Saal füllte sich und kurz vor Beginn waren fast alle Plätze belegt. Ein buntfarbiges Publikum erfüllte den sonst durch die roten Theatersitze dominierten Raum. Frank und ich hielten eine Ansprache, erklärten unsere Idee und Beweggründe, die uns zu dieser Expedition von Theater in den virtuellen Raum geführt hatten, gaben ein paar technische Informationen und eröffneten dann die Bühne für die erste öffentliche Aufführung unserer Produktion.
Alle verhielten sich vollkommen ruhig im Saal und machten den Anschein, als würden sie gebannt der Vorstellung folgen. Unsere Befürchtungen, dass vielleicht jemand versuchen würde auf die Bühne zu laufen, bewahrheiteten sich nicht. Alle saßen auf ihren Plätzen, niemand lief durch den Raum, keiner redete. Nur ein paar Mal kam eine Meldung über den Chat, der Ton sei nur sehr leise zu hören. Ich war sehr gespannt was passieren würde. Denn ich wusste ja nicht wirklich, was sich bei den einzelnen Betrachtern wirklich abspielte, ob alles so ankam wie wir es gesprochen, animiert, geprobt und getestet hatten. Die Stille im Saal konnte alles bedeuten.
Die fünf Minuten der Vorstellung waren schnell vorbei. Und dann kam der Applaus. Wir hatten der Atmosphäre halber einen Applaus vorbereitet. Aber das Publikum übertönte alles. Viele hatten selbst ein Klatschen mitgebracht. Aber vor allem liefen die geschriebenen Applaus- und Gratulationszeilen in schneller Folge über das Chatfenster. Die Schauspieler verbeugten sich. Auch ich wollte mit Frank auf die Bühne um mich dem Publikum zu stellen. Da passierte ein etwas peinliches Missgeschick. Mein Avatar verlor den Boden unter den Füßen und fiel unaufhaltsam in die Tiefe. Ein amtlicher Absturz. Bis ich wieder auf der Insel war und die Bühne betreten konnte vergingen ein paar Minuten. Das Publikum wartete geduldig. Mit Dank nahmen wir den Applaus und die Glückwünsche entgegen und boten an, die Vorstellung noch einmal laufen zu lassen, da einige Gäste Tonprobleme hatten. Nach dem zweiten Durchlauf gab es dann eine rege Unterhaltung mit vielen technischen Fragen und Vorschlägen. Natürlich waren wir zu viert auf der Bühne der Überzahl des Publikums weit unterlegen, aber wir versuchten doch auf die meisten der Beteiligten einzugehen. Anschließend gab es noch viele interessante Einzelgespräche auf der Terrasse vor dem Studio und ein Feuerwerk für den festlichen Anlass.
Irgendwann, Stunden später, als schon die zweite und dritte Vorstellung gelaufen war, ging der Abend auch für das Team und mich zu ende. Wir beglückwünschten uns und waren froh, dass die Premiere ohne Pannen über die Bühne gelaufen war und beim Publikum so großen Anklang gefunden hatte. Denn bis zuletzt waren wir besorgt, ob auch alles funktionieren würde, da wir noch so kurzfristig die ganze Show wegen des Lag-Problems umgebaut hatten.
Eine besondere Äußerung aus dem Applausregen des Publikums war für mich die Krönung des Abends und auch des Experiments "Theater in Second Life" an sich. Es war die Bemerkung von Ralfi Beaumont mit den Worten: "das Theatergefühl war da".


Samstag, den 09. Mai 2009 um 00:27 Uhr

Kurz vor der Premiere wird es noch mal brenzlig

Es war schon eine sehr aufwendige Arbeit, die Bewegung der Avatare genau auf die Dialoge abzustimmen, da Second Life eigentlich nicht für eine Synchronisierung von Sprache und Aktion ausgelegt ist. Aber das Team um Frank Gaugel, Toni und Joao, fand immer wieder Lösungen, so genannte "work arounds" mit denen es ihnen gelang die Limitationen der Plattform zu umgehen. Aber nun brachten die Auslastungstests mit mehreren Avataren alles wieder durcheinander. Der so genannte Lag, eine Verzögerung, die durch Überlastung entsteht ist dafür verantwortlich. Es schien für kurze Zeit, als könnten wir nur ein paar Gäste zur Premiere zulassen. Die Lösung brachte dann eine eilends organisierte neue SIM (Insel) auf die wir nun die Bühne verlagert haben. Damit ist die Bühnenhandlung von den Besuchern auch physisch getrennt. Das wird uns hoffentlich eine weitgehend synchrone Aufführung ermöglichen. Aber wir müssen natürlich jetzt alles in Windeseile umbauen.


Mittwoch, den 15. April 2009 um 00:08 Uhr

Von den Tücken der Technik

Die 3D-Designer hatten nun die schwierige Aufgabe, die virtuellen Schauspieler zum aufgenommenen Text agieren zu lassen. Dabei war die große Herausforderung gar nicht, die Bewegungen mit dem Text zu synchronisieren, sondern den Avataren überhaupt das Schauspielen beizubringen. Wir mussten Bewegungen suchen, kreieren, zusammenfügen. Leider sind die technischen Voraussetzungen in Second Life dafür nicht ideal. Es gibt viele Limitierungen. Die Geschwindigkeit des Gehens ist standardisiert, es gibt nur normal gehen oder rennen. Wir waren froh, die wichtigsten Wege, Positionen und Gesten in einen halbwegs natürlich erscheinenden Ablauf zusammenfügen zu können. Damit sind wir natürlich noch weit entfernt von den wirklichen Feinheiten hochentwickelter schauspielerischer Darstellung. Aber es ist ein erster Schritt. Von Schauspielschülern kann man nicht verlangen, dass sie bereits nach kürzester Zeit Vollprofis sind. Auch nicht von virtuellen.


Dienstag, den 14. April 2009 um 01:04 Uhr

Erst der Ton und dann das Bild, oder umgekehrt?

Für die Proben mit den Schauspielern stellte sich folgende Frage: Womit fangen wir an? Nehmen wir erst den Ton mit den physischen Schauspielern auf und versuchen dann die virtuellen Darsteller darauf zu synchronisieren? Oder machen wir es umgekehrt? Ich entschied mich dafür, zuerst die Sprache aufzunehmen. Die Arbeit mit den menschlichen Schauspielern war mir vertraut. Außerdem ging es ja auch darum, die Vorlage von Schnitzler umzusetzen. Und dafür war die Interpretation des Textes der erste Schritt. Die Animation durch die virtuellen Schauspieler in Second Life würde dann ganz pragmatisch dem Handlungsverlauf folgen. Im Studio aber stellte sich heraus, dass die Schauspieler gerne die Handlung der Avatare gesehen hätten, um ihnen auch die entsprechende Intonation und Lautstärke zu geben. So waren sie ganz auf meine Beschreibung der Szenenhandlung angewiesen. Und die ließ sich nur schwer vermitteln, da weder Sophia noch Nikolaus Erfahrung mit Second Life hatten. Trotzdem sind sehr schöne und brauchbare Sprachaufnahmen entstanden. Beim nächsten Mal würde ich es umgekehrt versuchen.