Theorie

Eine Zeiterscheinung: Computer und Internet bescheren der Gesellschaft – nach Erfindung des Buchdrucks und der Telekommunikation – eine dritte technische Revolution: die globale Vernetzung und die Schöpfung einer neuen Welt, wie es Jeremy Rifkin beschreibt (2002). In den vergangenen beiden Jahren gab es großes Aufsehen um eine virtuelle, computergenerierte Welt, genannt Second Life. Als Welt von morgen wurde sie mitunter bezeichnet. Viele beeilten sich, dort die Ersten zu sein, und prahlten damit in der Öffentlichkeit. Die Presse war anfangs euphorisch, mittlerweile jedoch macht sich Ernüchterung breit – der Hype ist verflogen. Unterdessen aber entwickelt diese Parallelwelt sich beständig weiter.

Eine andere Zeiterscheinung: Das Theater befindet sich in einer Krise. Öffentliche Mittel gehen zurück, während Kosten steigen, Häuser werden geschlossen. Einige Macher kämpfen um die Rettung des Theaters, andere arbeiten an seiner Abschaffung, weil sie keinen Konsens mehr finden. Besucher bleiben aus, weil sie übersättigt sind oder die Inszenierungen nicht mehr verstehen.

Theater ist virtuell, weil es die Zuschauer in eine Welt entführt, die nur in der Vorstellung existiert. Auch computergenerierte Welten, die den Begriff virtuelle Welten für sich beanspruchen, werden nur in der Vorstellung Realität. Und beide zusammen? Theater in Second Life? Eine virtuelle Welt in der anderen? Lässt sich das verwirklichen? Sind Inszenierungen technisch überhaupt möglich? Was bedeutet das für Schauspieler und Publikum? Was bleibt von der ursprünglichen Aufgabe und Wirkung des Theaters?

Um das zu ergründen, wird zunächst in das Medium der virtuellen Realität eingeführt, dessen Wirkung beschrieben und die Dimension synthetischer Welten erklärt. Im Anschluss daran zeigen die Eigenschaften der virtuellen Welt von Second Life, dass sich diese Plattform als Labor für eine Untersuchung von Theater am besten eignet.

Damit sind die Vorbereitungen getroffen, auf Grund derer das Theater anschließend einer technischen und psychologischen Funktionsprüfung in der virtuellen Welt von Second Life unterzogen wird. Illustrierend dabei verhilft die Analogie des Marionettentheaters zu einer Vorstellung und legitimiert gleichzeitig die virtuelle Welt als Ort für Theater. Darüber hinaus wird die Kombination von Theater und Computer in der wissenschaftlichen Literatur erörtert, um daraus Rückschlüsse auf die Wirkungsweise beider Medien zu ziehen. Anschließend werden gesellschaftliche und menschliche Aspekte analysiert. Aber auch das Drumherum eines Theaterbesuchs und unkonventionelle Formen von Theater werden mit der Absicht erörtert, auch sekundäre Faktoren in die Untersuchung einzubeziehen.



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